BUZ Neutal bei Konferenz von „Netlab - Partnerschaft für den Arbeitsmarkt in der Region"

02.07.12

Im Rahmen einer bilateralen Konferenz von „Netlab - Partnerschaft für den Arbeitsmarkt in der Region“ am 19. Juni in Oslip wurde klar: Der Fachkräftemangel sollte aus den eigenen Reihen gedeckt werden – und es braucht dafür ein ganzes Paket an Maßnahmen, denn die Zahl der Unternehmen, die ihre Lehrlinge selbst ausbilden, ist seit Jahren rückläufig.

„Unternehmen müssen wieder mehr Lehrlinge selbst ausbilden. Jugendliche brauchen oft einfach nur mehr Zeit und Unterstützung für einen positiven Lehrabschluss. Gemeinden müssen sich zusammenschließen um gemeinsam als attraktiver Lebensort zu punkten! Berufsorientierung muss ein Pflichtfach in der Lehrerausbildung werden“, diese Forderungen stellten ExpertInnen aus den Bereichen Schule, Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Regionalentwicklung bei der österreichisch-ungarischen Fachkonferenz „Im Kampf um die besten Hände und Köpfe“ im Rahmen des EU-Projektes NetLab* am 19. Juni in Oslip (Cselley Mühle).

Fachkräfte – hoch qualifizierte, wie ausgelernte FacharbeiterInnen – sind umkämpfte Mangelware. „Speziell in ländlichen Regionen ist durch die demografischen Entwicklungen ein Arbeitskräftemangel zu erwarten,“ warnt Mag.a Cornelia Krajasits vom ÖIR-Projekthaus in ihrem Einleitungsreferat. Doch anstatt Headhunter international auf die Jagd nach den besten Händen und Köpfen zu schicken, wäre es zukunftsträchtiger den Bedarf aus der eigenen Region abzudecken.

Jugend motivieren und fördern
Der Geschäftsführer des Burgenländischen Schulungszentrums, Mag. (FH) Christian Vlasich weiß aus Erfahrung: „Jugendliche brauchen oft nur etwas mehr Zeit, mehr Betreuung – oft richtige Einzelbetreuung. Wir finden Lehrstellen für Jugendliche, vermitteln sie in überbetriebliche Lehrwerkstätten. 95% von ihnen kommen dann auf dem Arbeitsmarkt unter!“


Auch in der Berufsorientierung gibt es noch Handlungsbedarf: Sie sollte früher ansetzen, die Eltern stärker mit einbeziehen, und vor allem auch „sollte sie in der Ausbildung der LehrerInnen ein Pflichtfach sein,“ so HL Ronald Popovits von der Pädagogischen Hochschule Burgenland.
Dass man oft außergewöhnliche Wege beschreiten muss, um zu interessierten Lehrlingen zu kommen, zeigt das Projekt „Step by Step“, das vom Leiter des AMS Oberwart, Dietmar Strobl, und dem Leiter des WIFI-Oberwart, Mag. Manfred Schweiger präsentiert wurde. „Wir haben Jugendliche zu einem Lehrlings-‚Casting’ eingeladen, das als Wettbewerb stattfand, bei dem es auch Preise zu gewinnen gab,“ so Strobl. Schweiger ergänzt, man habe die Flyer für diese Aktion sogar in Diskotheken verteilt.

Unternehmen müssen aktiv werden
Die Zahl der Unternehmen, die ihre Lehrlinge selbst ausbilden, ist seit Jahren rückläufig. Die Firma Nikitscher Metallwaren GmbH ist in der Lehrausbildung ein Vorzeige-Unternehmen, wie der Ausbildungsverantwortliche, Ewald Kaipel, bewies: „Wir machen das alles schon seit Jahren: wir gehen in Schulen, laden Jugendliche zu uns ein, zeigen Karrieremöglichkeiten auf. Und wir haben auch immer genug Lehrlinge, und sehr gute Lehrlinge.“

Gemeinden müssen sich zusammenschließen - und als Region bewerben
Auf einen wichtigen Punkt wiesen Mag.a Cornelia Krajasits vom ÖIR-Projekthaus und Mag.a Alexandra David vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen/Deutschland hin: Gemeinden müssen kooperieren, Regionen ihre Stärken fördern. „Dort, wo man lebt, möchte man auch gerne bleiben,“ weiß David aus eigenen Studien: „und, was ist den Menschen wichtig: man braucht einen Job, Karrierechancen, möchte wo leben, wo die Gesellschaft offen ist und tolerant, braucht Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulinfrastruktur, das Leben sollte nicht zu viel kosten. Die Region muss ein Image entwickeln und das gut vermarkten.“ Betonung auf Region. Auch Krajasits weist darauf hin, dass Gemeinden als Einzelkämpfer selten erfolgreich seien: „Gemeinsam haben sie mehr Stärken, die sie herausarbeiten, verbessern und vermarkten können. Denn gerade ländliche Regionen konkurrieren mit Ballungszentren um Fachkräfte.“